Historie

Eine kurze Reise durch die Zeit des Art Deco

Warum Art Deco im Wert steigen kann?
Wenn Sie sich ein Bild von Art Deco und seinen Chancen auf dem Kunstmarkt machen wollen, dann nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit für die folgende Information.
Art Deco ist ein außergewöhnlicher Stil, eine andere Art wahrzunehmen, zu begreifen und zu formen. Die Entstehung des Art Deco ist eine revolutionäre Geschichte mit Widersprüchen.

Aber wo beginnen?
Bei Persönlichkeiten wie Leon Bakst und den Cubisten, dem ersten Weltkrieg oder den sensationellen Erfindungen des 20. Jahrhunderts? All dies hat diesen Stil, der seinen heutigen Namen übrigens erst 1925 bei der großen Weltausstellung in Paris erhielt, (,,Exposition des Arts Décoratifs et lndustriels Modernes") maßgeblich beeinflusst. Letztlich umfasst die Stilrichtung ,,Art Deco" die Jahre von 1919 bis 1939.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollzog sich in den bildenden Künsten ein Umbruch:

Man könnte ihn als die radikalste Veränderung in der Kunstgeschichte bezeichnen oder auch die Synthese der Kunstgeschichte.
Die hauptsächlichen Charakteristika dieser Periode waren:

  1. Der Wille völlig mit der bereits bestehenden Kunst zu brechen - also avantgardistisch zu sein.

  2. Die Überzeugung, dass die Kunst wie auch die Sprache an traditionelle Regeln gebunden ist, und das tiefgehende künstlerisches Neuerungen neue Regeln brauchen.

  3. Die Fortschrtittsgläubigkeit, die ja auch die Wissenschaft, die Technik und die Wissenschaft jener Zeit prägte.


Daraus ergaben sich Forderungen für das Kunstwerk. Es sollte:

  1. Als Beispiel für das neue, revolutionäre Programm stehen
.
  2. Zukunftsweisend sein.
  3. 
Genau wie in der fortschrittlichen Wissenschaft als Experiment dienen.


Die Wegbereiter
Für das Etablieren des Art Deco gab es einen überraschenden Wegbereiter: Das russische Ballett, das die Werke von Max Le Verrier oder Chiparus prägte.

Beeinflusst durch die technischen Neuerungen des 20. Jahrhundert entstand besonders in Frankreich ein revolutionärer Eingriff in das System der Kunst, bei dem z.B. Le Corbusier mit seinen Werken auf der Exposition des Art et Décoratifs modernes 1925 in Paris begeisterte und die Menschen zum Staunen brachte.
Im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts schufen Künstler wie Leon Bakst, Nikolas Roerich oder Pablo Picasso Bühnenbilder und Kostüme von sensationeller Vielfalt. Bestechende orientalische Designs, kompromisslose exotische Farben, außergewöhnliche Handwerkskunst und ein neuartiges Gefühl für Ausdruck vereinen sich zu einer kreativen neuen Kunstepoche, die ganz Europa und Amerika nachhaltig beeinflusst hat. Denken Sie z.B. an das wiedererweckte Art Deco-Viertel in Miami Beach.

Auch Maler wie Paul Iribe, Francis Jourdain, Georges Braque, Henri Matisse und andere erhielten Aufträge, Ausstattungen für Dramen und Opern zu entwerfen und vor allem für das russische Ballett zu arbeiten. Damit wurde das Publikum in neue Kunstrichtungen wie Expessionismus und Futurismus eingeführt.

Kreation der "neuen Moderne"
Besonders modern entwickelte sich das Art Deco im Bereich der Lampen. Künstler wie Albert Cheuret, Edgar Brandt oder La Maison Desny, aber auch H. Petitot, Muller Freres Luneville oder Charles Schneider zeichneten die Epoche. Sie arbeiteten in ständiger Konkurrenz zu anderen Künstlern, wie Daum Frères oder Jacques Adnet und schafften somit eine große Bandbreite an verschiedenen hochwertigsten Arbeiten.

Dieser erste Schritt, in eine völlig neue Welt der Kunst, löste ein Momentum aus, welchem viele Künstler folgten.
Wiener Werkstätte, Art Deco und Bauhaus sind Begriffe, unter denen in Österreich, Frankreich und Deutschland, Künstler mit enormem Schaffensdrang, Bilder Kunst- und Gebrauchsgegenstände und eine neue Architektur schufen, die noch heute nichts von ihrer Exklusivität verloren hat.

Im Gegenteil: Letztlich sind die Produkte moderner Designer von heute, wie die von Alessi, Benz und anderen - Neuauflagen der 30er Jahre Kunst des Art Deco und auch die großen Möbelhäuser orientieren sich häufig an vergangenen Epochen.
Vielleicht zum ersten Mal orientierte sich eine Kunstrichtung nicht an Werten und Vorbildern der Vergangenheit, sondern spiegelte Zeit und Empfindungen der Gegenwart wieder.

Der Glaube an Utopien
Auf der technischen Seite hieß das:
Auseinandersetzung mit Geschwindigkeit und physikalischen Gesetzen. Die Erfindung und Weiterentwicklung von Autos, Lokomotiven, Flugzeugen und Luxusdampfern fand Ausdruck im Art Deco durch stromlinienförmige Designs (streamline design ) und klare Strukturen. Die neuen Materialien Aluminium, Stahl und Chrom sowie die Verwendung von Kunststoffen wie Bakelit ermöglichten neues experimentelles Design.

Die Architektur fand ihren extremen Ausdruck in Häusern, die in Form von Schiffen und Flugzeugen gebaut waren. Besonders die Filmtheater oder Showrooms der großen und berühmten Firmen der Zeit - das Odeon Filmtheater in England, der Ausstellungsraum von Alfa Romeo in Paris oder die Radio City Music Hall in New York sind Glanzstücke von künstlerischer Handwerkskunst und Ästhetik dieser Stilrichtung.

Kulturgeschichtlich fanden vor allem die Entdeckung des Grabes Tutenchamuns und durch der mexikanischen Freiheitskampf wieder in Erinnerung gerufen, die Bauten der Majas und Atzteken den Eingang in das Art Deco. Berühmtestes Beispiel hierfür ist das Chrysler Gebäude in New York.
Ebenso brachten die Ausstellungen der 20er Jahre aus den Kolonien Schwarzafrikas und Asiens neue Formen und Motive nach Europa. Zu finden schon am Anfang des 20. Jahrhunderts wie im Werk von Picasso: Les demoiselles d'Avignon.

Die Zeit zwischen den Weltkriegen war eine turbulente Zeit, die auch im Art Deco in seinen zwei maßgeblichen Phasen ihren Niederschlag fand.
Die anfängliche Ausrichtung des Art Deco arbeitete - in Anlehnung an den Jugendstil - Mit wertvollen Materialien wie exotischen Tropenhölzern, Elfenbein, feinstem Glas und Bronze, und schuf fein geschwungene, reich verzierte, dekorative Möbel und Accessoires

1928 wurde diese Phase durch einen sachlichen, funktionalistischen Stil abgelöst.
Waren bis 1928 Motive wie Girlanden, Vögel, Blumen, Sonnenstrahlen, Fontänen und geometrische Farmer vorherrschend, übernahm ab 1928 der Cubismus mit seiner strengen Simplifikation und den Erkenntnissen aus der Technik die Gestaltung von Möbeln und Architektur. Die 30iger Jahre waren diesbezüglich nicht wegen einer bestimmten Farbe, sondern wegen des Verschwindens der Farbe schlechthin bekannt.
Was das Art Deco in beiden Perioden auszeichnete, war die große, nicht wiederholbare handwerkliche Kunst, die Dynamik und exzellente Ausführung der geschaffenen Werke.

Hier liegt neben der einzigartigen Formensprache der zweite wichtige Grund für eine ununterbrochene Wertsteigerung von Art Deco-Stücken.
Bekannte Namen dieser Zeit sind René Lalique , Daum Nancy , Charles Schneider , Muller Freres Luneville , Degue , Hettier und Vincent , Gilles etc. und Marinot für Glas; Ruhlmann, Printz ... für Möbel und Einrichtungen; Brandt und Louis Majorelle für Metallarbeiten oder Puiforcat für Silberwaren.
Art Deco ist heute ein historischer Stil. Es war der Erste, der die Moderne populär machte. Heute sind die Exponate der 20er und 30er Jahre Sammlerobjekte und Museumsstücke. Werke der Top Designer dieser Zeit bringen in den großen Auktionshäusern in Frankreich, England oder den USA Preise, die in Hunderttausende gehen.

Das heißt aber nicht, daß Art Deco eine Stilrichtung für Superreiche ist.
Ganz im Gegenteil! Es gibt noch eine beträchtliche Anzahl ausgesprochen gut erhaltener, von bekannten Künstlern entworfener Möbel, Lampen oder Glaswaren zu erstaunlich günstigen Preisen. Häufig entsprechen die Preise sogar denen von konventionellen Einrichtungshäusern. Dazu muß man allerdings die wenigen Antiquitätengeschäfte, die sich auf diese Stilrichtung konzentriert haben, zu finden wissen.
Ist die Stilrichtung in ihrer extremsten Ausführung der ultimative Test von Toleranz (wer will schon in einem Schiffs- oder Flugzeughaus wohnen), bietet sie im allgemeinen durch die Präsenz ihrer sensationellen Handwerkskunst für Kenner, Liebhaber und Neulinge gleichermaßen eine unendliche Vielfalt an wunderschönen Möbeln und Accessoires. Das Art Deco ist durch die Verwendung von vielen verschiedenen Materialien mit fast allen anderen Stilen kombinierbar, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren oder andere Stile zu dominieren.

Aber wie das richtig Gute von Anderem zu unterscheiden?
Grundsätzlich gilt: Gut ist, was gefällt! Dabei ist zu bedenken, dass es sich auch bei diesem aktuellen Design um Gegenstände handelt, die um die 100 Jahre alt sind. Der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen, sei es in nicht mehr ganz so glänzenden Fußrollen von Tee- oder Barwagen, Patina an Metallteilen oder den kleinen Ecken und Dellen, die den echten Antiquitäten ihren Charme geben.
Kunstvoll restaurierte Möbel mit einwandfreien, glänzenden Oberflächen und Hölzern sind dabei nicht etwa ein Zeichen von Reproduktion. Gerade bei Möbeln bis 1928 sind die wertvollen Hölzer seit langem- wenn überhaupt noch auffindbar - unter strengen Naturschutz gestellt. Auch gibt es heute, einmal ganz abgesehen von den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schreiner, aus kommerziellen Gesichtspunkten kaum noch die Möglichkeit diese Möbel nachzubauen. Sie würden ein vielfaches der tatsächlichen Antiquitäten kosten.

Bei Glaswaren von Marinot, Daum und anderen berühmten Vertretern des Art Deco empfiehlt es sich allerdings ein vertrauenswürdiges Antiquitätengeschäft aufzusuchen. Hier gelingt es oft nur dem Kenner, Echtes von Nachgemachtem zu unterscheiden. Und selbst unter den Kennern herrscht häufig eine erstaunlich hohe Unkenntnis. Vor allem unter dem Aspekt der beträchtlichen Preise, die für Art Deco Glas gezahlt werden und den immer noch steigenden Preisen wäre dies mehr als ärgerlich. Das gleiche gilt für Lampen.
Bei Lampen kann man sich getrost auf sein Empfinden verlassen. Jeder, der die Fähigkeit besitzt wahrzunehmen, welcher Ausdruck und welche Möglichkeiten in dieser StiIrichtung enthalten sind und der die Atmosphäre schätzen kann, die dieses besondere Lichtdesign schafft, wird erkennen, daß Art Deco Beleuchtung zeitlos schön ist. Die fachgerechte Restaurierung von Art Deco Lampen ist jedoch aufwendig und bedarf speziellem handwerklichen Geschick. Häufig ist eine solche Antiquität überhaupt nicht zu restaurieren, da z.B. fehlende oder kaputte Glasschirme meist nicht mehr im Original zu ersetzen sind. In jedem Fall raten wir Ihnen, bei einem Antiquitätengeschäft ihres Vertrauns zu kaufen. Beachten Sie bitte immer, dass viele Produkte reproduziert werden, oft die alten Signaturen tragen und auch nicht alle Antiquitätenhändler nur "Originale" verkaufen. Wir bemühen uns unserem Auftrag als Antiquitätenhändler gerecht zu sein und bieten ausschließlich Originale an.

Art Deco kann wie eine Reise sein - ist man erst einmal losgegangen, erschließt sich eine völlig neue und spannende Welt.
Ästhetische und ökonomische Kaufgründe lassen sich in ihr ideal verbinden: Erwerben Sie ein Art Deco-Stück, weil es ihnen gefällt, wird es auch eine gute Kapitalanlage sein. Kaufen Sie es, weil Sie an der Wertsteigerung interessiert sind, wird es Ihnen auch gefallen.

Bleibt mir nur noch, Ihnen interessante Erlebnisse in einer für Sie vielleicht noch unbekannten Kunstlandschaft zu wünschen

Ihr
Maximilian Weidmüller